In den Küchen der Köch*innen von morgen wird etwas Neues gekocht. Es stehen nicht mehr nur leckere Lebensmittel und deren Zubereitung auf dem Stundenplan – auch unser Planet und seine Zukunft werden ins Zentrum des Unterrichts gerückt.
Vor diesem Hintergrund hat sich das Erasmus+-Projekt „Good Food – Sustainability in Catering Schools“ zum Ziel gesetzt, herauszufinden, wie Berufsschulen im Bereich Ernährung und Versorgung Themen wie nachhaltige Lebensmittelbeschaffung, Fairer Handel und Ressourcenschonung aufgreifen und wo noch Handlungsbedarf besteht.
Die Projektpartnerinnen in Italien, Spanien, Deutschland und den Niederlanden haben eine umfangreiche Recherche durchgeführt, um zu verstehen, wie und in welchem Umfang Nachhaltigkeitsthemen bereits in die Ausbildung zukünftiger Köch*innen integriert sind.
Hierbei hat sich das Team vor allem auf qualitative Umfragen konzentriert. Es hat mit Lehrkräften gesprochen, Schüler*innen interviewt, das schulische Umfeld begutachtet und bestehende Unterrichtsaktivitäten beobachtet. Die vielfältigen Recherchen ergaben, dass Nachhaltigkeitsthemen und Fähigkeiten der Bildung für nachhaltige Entwicklung zwar teilweise integriert und gefördert werden, aber noch lange kein selbstverständlicher Teil des täglichen theoretischen und praktischen Unterrichts sind.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- In den Niederlanden zeigen die Schüler*innen des Koning Willem I College (KW1C) Neugier und Begeisterung, insbesondere im praktischen Unterricht. Im Gastgewerbe-Programm des KW1C sind die ‘Dutch Cuisine Principles’ ( zukunftsorientierte Leitlinien für das Kochen und Essen in den Niederlanden) Teil des Lehrplans. Allerdings haben die Schüler*innen diese noch nicht mit ihren eigenen Werten in Verbindung gebracht. Obwohl sie den praktischen Kochunterricht genießen und nachhaltige Lebensmittel als wichtig für ihre Zukunft und Karriere ansehen, werden ihre aktuellen Entscheidungen eher von Bequemlichkeit und Trends bestimmt. Die Lehrkräfte betonen die Notwendigkeit, den Kontakt zur Berufswelt aufrechtzuerhalten, und schlagen regelmäßige Praktika vor, um über aktuelle Entwicklungen in der Branche auf dem Laufenden zu bleiben. Darüber hinaus unterstreichen die Ergebnisse, wie wichtig es ist, sowohl bei den Schüler*innen als auch bei den Lehrkräften eine intrinsische Motivation für das Aufgreifen von Nachhaltigkeitsthemen in den Schulalltag zu wecken. Obwohl Nachhaltigkeit Teil der Mission von KW1C ist, besteht nach wie vor eine Kluft zwischen Politik und täglicher Praxis, da viele Mitarbeitenden unsicher sind, wie sie die ausgesprochenen Ziele des Managements in die Tat umsetzen sollen. Um diesem Problem zu begegnen, wird im Moment ein praktisches, fächerübergreifendes Modul zum Thema „Veränderungen bewirken” entwickelt, das sowohl Schüler*innen als auch Lehrenden die Werkzeuge an die Hand geben soll, um das Bewusstsein für eine nachhaltige Lebensweise bei sich und anderen, auch über den Bereich Lebensmittel hinaus zu wecken.
- In Deutschland, am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Ansbach-Triesdorf, beschäftigen sich die Schüler*innen intensiv mit Themen der Nachhaltigkeit. Mit einem starken Fokus auf Abfallreduzierung, Recycling und der Verwendung saisonaler, regionaler Zutaten haben von Schüler*innen geleitete Initiativen und die Arbeit der Umwelt-AG, kreative Projekte wie Schulgärten, Flaschenrecycling und Tauschbörsen vorangetrieben. Allerdings ist Nachhaltigkeit noch nicht strukturell in allen Fächern und der gesamten Schulgemeinschaft verankert. Die Lehrkräfte äußern den Bedarf an gebrauchsfertigen Unterrichtsmaterialien, Unterstützung durch externe Expert*innen und mehr interdisziplinärer Zusammenarbeit. Zudem bleiben weitere Herausforderungen bestehen: Begrenzte Budgets, unterschiedliche Fähigkeiten der Schüler*innen und Sprachbarrieren sind nur einige der Hindernisse, denen sich die Schule stellen muss. Die zukünftige Entwicklung durch das GoodFood-Projekt sollte sich auf die Erstellung benutzerfreundlicher und visuell ansprechender Materialien konzentrieren, die praktisches Handeln und Eigenverantwortung der Schüler*innen fördern. Der Schwerpunkt liegt auf der Förderung grundlegender Fähigkeiten wie kritisches Denken, Teamarbeit und Verantwortung. Zu den Entwicklungsmöglichkeiten der Schule gehören die Erweiterung des vegetarischen und veganen Angebots in der Kantine, die Stärkung der Beziehungen zu lokalen Produzent*innen und die Einbeziehung der zukünftigen Arbeitgebenden in Nachhaltigkeitsinitiativen. Eine Verlagerung der Rolle der Lehrkräfte vom Unterrichten hin zum Moderieren wird als wesentlich angesehen, um die Schüler*innen zu befähigen, einen nachhaltigen Wandel voranzutreiben.
- In Spanien, an der Leioa Catering School, ist die baskische Kultur tief verwurzelt und lokalen Produkten wird große Bedeutung beigemessen. Die Schule ist fest davon überzeugt, dass Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Gastronomie der Weg in die Zukunft ist, und arbeitet mit den Schüler*innen an Themen wie z.B. Lebensmittelverschwendung. Die Lehrkräfte haben eine Studie zum Thema Lebensmittelverschwendung an der Schule durchgeführt und die Portionen von Brot, Zucker und Salz in den servierten Mahlzeiten reduziert. Darüber hinaus hat die Schule enge Beziehungen zur Tafel aufgebaut, an die sie alle Essensreste spendet. Die Catering-Schule Leioa konzentriert sich auf Innovation und Technologie und ist stets bestrebt, sich zu verbessern. In diesem Jahr möchte sie im Rahmen des GoodFood-Projekts Themen wie die Bedeutung von Partnerschaften mit lokalen Produzent*innen und saisonale Lebensmittelbeschaffung in den Fokus rücken.
- In Italien zeigt das Instituto Mantegna, wie Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können. In enger Zusammenarbeit mit Slow Food sensibilisiert die Schule Schüler*innen, Lehrkräfte und Schulleitung für Themen wie Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit. Sie fördert einen unternehmerischen Ansatz, um zukünftige Fachkräfte zu befähigen, Veränderungen voranzutreiben. Dabei achtet sie besonders auf kulturelle Unterschiede und fördert die Verwendung von Mehrwegprodukten. Aber der Weg ist noch nicht zu Ende: Nachhaltigkeitsbildung muss praktischer und ansprechender werden und über die reine Reduzierung von Lebensmittelverschwendung hinausgehen. Darüber hinaus muss der Fokus stärker auf gesunden und ausgewogenen Mahlzeiten liegen, der Plastikverbrauch in den Schulküchen reduziert und die sichtbare Kommunikation über die Slow-Food-Allianz innerhalb der Schule verbessert werden. Die Schüler*innen und Lehrkräfte sind motiviert und möchten einen praxisorientierteren und systematischeren Ansatz verfolgen, um die Nachhaltigkeit auf ein höheres Niveau zu bringen.
An der Veränderung beteiligte Personen:
Darüber hinaus war es eines der Hauptziele der Umfrage, die wichtigsten Akteur*innen im Übergang zu einer nachhaltigen Bildung zu identifizieren. Trotz der Landesgrenzen stehen vier Hauptakteur*innen im Mittelpunkt des Wandels:
- Schüler*innen, die im Mittelpunkt des Bildungsprozesses stehen und die eigentlichen Akteur*innen des Wandels sind;
- Lehrkräfte, die für die Vermittlung nachhaltiger Inhalte und Praktiken unerlässlich sind;
- die Schulleitung, die für die Umsetzung langfristiger und kohärenter Nachhaltigkeitsstrategien von entscheidender Bedeutung ist;
- zukünftige Arbeitgebende, Lieferant*innen und Lebensmittelunternehmer*innen, die eine Brücke zwischen Bildung und Berufswelt schlagen.
Was passiert nun?
- Die gesammelten Daten dienen nun als Grundlage für die Entwicklung der vom GoodFood-Projekt vorgesehenen Unterrichtsmaterialien, darunter:
- Ein praktischer Aktionsrahmen, dem ein methodischer Prozess unterliegt, der in jeder europäischen Berufsschulen im Bereich Ernährung und Versorgung angewendet werden kann.
- Unterrichtsinhalte, die sich mit der Nachhaltigkeit von Lebensmitteln aus verschiedenen Perspektiven befassen: Gesundheit, Umwelt, Ethik, Kultur und Abfallvermeidung.
- Ressourcen für die Ausbildung der Lehrkräfte, die auf dem Train-the-Trainer-Ansatz basieren und darauf abzielen, Empowerment, Bewusstseinsbildung und Verhaltensänderungen zu fördern.
- Digitale Tools und Ressourcen, die dabei helfen, Nachhaltigkeit sowohl in den Unterricht als auch in die Aktivitäten in Schulküchen und an zukünftigen Arbeitsplätzen zu integrieren.
Die Botschaft ist klar: Die europäischen Berufsschulen im Bereich Ernährung und Versorgung sind bereit für Veränderungen. Das GoodFood-Projekt hat sich nun zum Ziel gesetzt, den Schulen konkrete Tools zur Verfügung zu stellen, damit die Köch*innen von morgen aktiv Veränderung in ihren Gemeinschaften vorantreiben können und zu einem faireren, ethischeren und nachhaltigeren Lebensmittelsystem beitragen können.
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